Autor: Ulrich Schlenker

Jetzt bewerben: Stipendium für das Campaign Bootcamp UK

Wäre Anne vor drei Jahren nicht als Teilnehmerin zum ersten Campaign Bootcamp in Großbritannien gefahren, würdest Du diese Zeilen gar nicht lesen. Sie war von dem Trainingsprogramm so begeistert, dass sie Boostcamp in Deutschland ins Leben gerufen hat.

Dieses Jahr legt das  Boostcamp in Deutschland eine Pause ein, aber es gibt die einmalige Gelegenheit beim mittlerweile achten Campaign Bootcamp vom 2. bis 7. Oktober 2016 in der Nähe von London dabei zu sein – und zwar kostenlos mit einem Stipendium für das Campaign Bootcamp! Unsere Kolleg*innen in Großbritannien bieten mit Unterstützung der Charities Aid Foundation mehrere Stipendien für Aktivist*innen an, die zu Themen der Entwicklungszusammenarbeit arbeiten oder daran interessiert sind.

Haben sie sich auf für ein Stipendium für das Campaign Bootcamp in Großbritannien beworben? (Foto: Campaign Bootcamp)
Haben sie sich auf für ein Stipendium für das Campaign Bootcamp in Großbritannien beworben? (Foto: Campaign Bootcamp)

Trainingswoche, Mentoring und Community

Anne war begeistert von dem Training in UK: “Es war eine großartige Erfahrung. Ich habe nicht nur unglaublich viel über Kampagnenarbeit gelernt, viel wichtiger war für mich das große Netzwerk von engagierten Campaigner*innen, die kennengelernt habe”, verriet die Campaignerin von SumOfUs in einem Interview. Du kannst Dich für ein Stipendium für das Campaign Bootcamp bewerben, wenn Du aktuell in Deutschland, Frankreich oder Großbritannien lebst und zu einem oder mehreren der folgenden Themen arbeitest oder es vorhast:

  • Beendigung von Armut weltweit, in all ihren Formen
  • Beendigung von Hunger durch Sicherstellung von Ernährungssicherheit, verbesserter Ernährung oder nachhaltiger Landwirtschaft
  • Globale Gesundheit
  • Sicherstellung von inklusiver und angemessener Bildung weltweit
  • Erreichung von Geschlechtergerechtigkeit und Stärkung von Mädchen und Frauen
  • Sicherstellung von Verfügbarkeit und nachhaltigem Management von Wasser und Sanitärversorgung für alle
  • Sicherstellung von bezahlbarer, zuverlässiger, nachhaltiger und moderner Energieversorgung für alle
  • Förderung von fortgesetztem, inklusivem und nachhaltigem wirtschaftlichem Wachstum, produktiver Beschäftigung und angemessenen Arbeitsbedingungen für alle
  • Reduzierung von Ungerechtigkeit innerhalb und zwischen Staaten
  • Sicherstellung von nachhaltigen Konsum- und Produktionsmustern
  • Unmittelbare Aktionen zur Bekämpfung von Klimawandel und dessen Auswirkungen
Gemeinsam lernen und Erfolge feiern: Campaign Bootcamp in Großbritannien (Foto: Campaign Bootcamp)
Gemeinsam lernen und Erfolge feiern: Campaign Bootcamp in Großbritannien (Foto: Campaign Bootcamp)

Jetzt für Stipendium für das Campaign Bootcamp bewerben

Das Stipendium deckt die regulären Teilnahmegebühren von 3.000 Pfund, Reisekosten zum und vom Tagungsort sowie Unterkunft und Verpflegung während des Trainings ab. Bewirb Dich online auf www.campaignbootcamp.org/apply. Bewerbungsschluss ist 10. August 2016, 9.00 Uhr (GMT). Für weitere Fragen, schreib (auf Englisch) an hello@campaignbootcamp.org.

Wenn Deine Bewerbung um ein Stipendium für das Campaign Bootcamp erfolgreich ist, sag uns auf jeden Fall Bescheid. Wir hoffen, Du kommst so begeistert zurück, wie damals Anne!

Planspiel: Briefbombe an Bert Breiner

Ein zentraler Baustein beim Campaign Boostcamp ist das Planspiel. In Teams wird eine fiktive, aber sehr realistische Kampagne geplant und organisiert. Dieses Jahr ging es um das Recht von Geflüchteten auf ein Uni-Studium.

Planspiel: Welche Strategie ist die richtige?
Planspiel: Welche Strategie ist die richtige?

Die Planspiel Story

Die Stadt Thame, das 17. Bundesland von Markland, verfügt über eine renommierte Universitäts- und Forschungslandschaft, aber auch über wenig finanzielle Mittel. In vielen Universitäten Marklands können Geflüchtete – auch ohne klaren Aufenthaltsstatus – am Lehrprogramm teilnehmen. Nicht so in Thame. Das soll sich ändern. Das Ziel der fiktiven Boostcamp-Kampagne ist es, dass geflüchtete Menschen Thamer Universitäten besuchen können.

Planspiel-Team "Unis ohne Grenzen"
Planspiel-Team „Unis ohne Grenzen“

Die Aufgaben

Im Planspiel werden die Inhalte und das Handwerkszeug der vorangegangenen Sessions ausprobiert und umgesetzt. Nach einer Akteursanalyse muss eine Kampagnenstrategie formuliert werden. Dann geht eine WordPress-Webseite mit selbst gestaltetem Logo und Kampagnenslogan online, unter Beachtung von Anforderungen zu Inklusion und Barrierefreiheit. E-Mails an Unterstützer*innen werden geschrieben und verschickt, Pressemitteilungen getextet und ein TV-Interview für die Sendung Thamesthemen gegeben.

Wie im wahren Leben: Reaktion in Echtzeit

Im weiteren Verlauf passieren unerwartete Dinge, auf die reagiert werden muss. Zum Beispiel schickt eine radikale linke Studierenden-Gruppe eine Briefbombe ins Büro des in der Sache unentschlossenen Bürgermeisters Bert Breiner, um ihn zu einer Entscheidung zu zwingen. Darauf muss mit einer Pressemitteilung und einem Blogartikel reagiert werden.

Schließlich mobilisieren rechtsgerichtete „Besorgte Studierende“ gegen den Uni-Zugang für Geflüchtete. Bei der (fiktiven) Demonstration kommt es zu Auseinandersetzungen, die der Aufhänger in den Radio-Nachrichten sind. Eine schnelle Positionierung der Kampagnenteams muss her.

 

Am Ende tritt Bürgermeister Bert Breiner vor die Presse und gibt (s)eine Entscheidung in der Frage des Uni-Zugangs für Geflüchtete bekannt. Ein erster positiver Schritt, wie die Kampagnen ihren Unterstützer*innen abschließend mitteilen.

Das Besondere

Neben der eigenen Reflektion und dem Peer-Feedback von den anderen Team können die Campaigner*innen einen echten Realitätscheck nutzen: Viele Dutzend Kampagnen-Expert*innen haben sich vorab für den E-Mail-Verteiler eingetragen, an den die Kampagnen-Mails geschickt wurden. Sie haben kollegiales Feedback gegeben, zum Beispiel Luise: „Ich würde gleich klar machen, worum es eigentlich geht. Die anstehende Demo kündigt Ihr aber erst im vierten oder fünften Satz an. Fazit: weniger sachlich, mehr Dringlichkeit und mobilisierende Sprache!“

Kampagnen-E-Mail des Planspiel-Teams OpenUp
Kampagnen-E-Mail des Planspiel-Teams OpenUp

Konzeptionelle Unterstützung gab es in diesem Jahr aus wissenschaftlicher Perspektive: Tobias Polsfuß, Teilnehmer des Campaign Boostcamps 2014, hatte auf Grundlage seiner Erfahrungen seine Bachelor-Arbeit zum Thema Planspiel geschrieben und „Qualitätskriterien des Didaktikmodells eines inklusiven Gruppenplanspiels für Berufseinsteiger*innen“ entwickelt, die in das Planspiel 2015 eingeflossen sind.

Das war das Campaign Boostcamp 2015

33 talentierte Campaigner*innen sind vom 6. bis 11. September zum Campaign Boostcamp 2015 nach Paretz bei Berlin gekommen. Die Anreise mit dem Schiff von Potsdam war sicher der erste spannende Moment. Das folgende Programm mit hochkarätigen Trainer*innen und einem Planspiel, in dem es um eine fiktive, aber doch sehr realistische Kampagne ging, hat Teilnehmer*innen und Team unvergessliche Momente gebracht.

Noch viel mehr Fotos vom Campaign Boostcamp 2015 gibt es auf Flickr.

Jetzt erhältlich: Broschüre für inklusives Campaigning

Das Team des Campaign Boostcamps mit der Broschüre: "Leitfaden für Inklusives Campaigning"
Das Boostcamp-Team freut sich über den druckfrischen Leitfaden „Kampagnen für Alle“.

Zugegeben, es hat länger gedauert als wir es geplant hatten. Dafür sind wir jetzt besonders stolz, dass sie da ist. Mit der brandneuen Broschüre „Kampagnen für Alle: Leitfaden für inklusives Campaigning“ haben wir einen weiteren Beitrag geschaffen zu einem Anliegen, das zur DNA des Campaign Boostcamps gehört: Inklusion.

Wir sind der Überzeugung, dass durch inklusive Kampagnen neue Vorbilder geschaffen und Handlungsoptionen für eine vielfältige Gesellschaft aufgezeigt werden. Wir wollen mit der Broschüre zeigen, dass bereits mit ein wenig Reflexion, mit überschaubarem Aufwand und in kleinen Schritten viel verändert werden kann.

Neben allgemeinen Tipps zur Kampagnenarbeit bietet die Broschüre eine Anleitung für inklusive Sprache, Bilder und Inhalte. Es werden Werkzeuge zur barrierefreien Kommunikation im Web genannt und Tipps für gedruckte Materialien gegeben. Zusätzlich findet man Hinweise, um bei Veranstaltungen Barrieren abzubauen.

Ehrenamtliches Engagement

An der Entstehung haben zahlreiche Teilnehmer*innen des ersten Campaign Boostcamps 2014 mitgewirkt: es wurden Themen diskutiert, Texte geschrieben und schließlich das Design gestaltet. Zahlreiche Expert*innen, zum Beispiel von den Neuen Deutschen Medienmachern, von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland und den Leidmedien haben mit Tipps und Ratschlägen zum Leitfaden beigetragen. Unser Kooperationspartner Aktion Mensch hat schließlich dafür gesorgt, dass die Broschüre aus als gedruckte Version und vor allem als barrierefreies PDF erschienen ist. Alle Beteiligten haben sich dabei ehrenamtlich engagiert. Vielen Dank dafür.

Download der Broschüre

PDF: Kampagnen für Alle: Leitfaden für inklusives Campaigning (Barrierefreies PDF)

Kunst & Handwerk des Protests

Von Politischer Schönheit bis zur PGP-Verschlüsselung: 4. Folgetreffen der "Class of 2014"
Von Politischer Schönheit bis zur PGP-Verschlüsselung: 4. Folgetreffen der „Class of 2014“

Von hoher Kunst bis zu alltäglichem Kampagnenhandwerk reichte das Spektrum der Themen beim vierten und letzten Follow Up Treffen des Boostcamp-Jahrgangs 2014 am Wochenende 21./22. März. Cesy Leonard, Planungschefin des Zentrums für Politische Schönheit, führt uns an die Schnittstelle zwischen Fiktion und Realität: Wie machen wir durch Kunst schöne Politik und umgekehrt, fragte sie.

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