Wasserhövel: NGO-Kommunikation kann Politikverdrossenheit fördern

Wie geht es dem Patienten Deutschland? Muss es einen neuen Aufstand der Anständigen geben? Und wie können wir als Campaigner*innen dazu beitragen, dass Verschwörungstheorien nicht noch mehr Aufwind gewinnen? Darum ging es bei unserem Kamingespräch am Vorabend der re:Campaign 2016.

Als Keynote Speaker hatten wir Kajo Wasserhövel eingeladen, der als ehemaliger Geschäftsführer der SPD und Staatssekretär im Wirtschaftsministerium über 40 Jahre politische Erfahrung verfügt. Seine These: NGOs laufen Gefahr in ihrer Kommunikation den Nährboden für rechte Thesen und Verschwörungstheoretiker*innen zu bereiten.

Kamingespräch: Jeannette Gusko im Gespräch mit Kajo Wasserhövel
Kamingespräch: Jeannette Gusko im Gespräch mit Kajo Wasserhövel

Wasserhövel: NGO-Kommunikation kann Politikverdrossenheit fördern

Am Beispiel von TTIP und CETA zeigte er, dass es in der Kommunikation von NGOs Überschneidungen mit AfD & Co. gibt. Mit Begriffen wie “die Mächtigen” und die “etablierten Parteien”, die “hinter verschlossenen Türen verhandeln” würden Bilder transportieren, die der Politikverdrossenheit vieler Menschen Vorschub leisten und Ablehnung und Misstrauen gegenüber den demokratischen Institutionen verschärfen.

Sein Appell an die anwesenden Vertreter*innen der Zivilgesellschaft: Gebt acht, welche Sprache ihr benutzt. Man müsse aufpassen, dass sich die Kommunikation nicht auf die Rutschbahn zur Diskreditierung begäbe und damit dem Rechtspopulismus Aufwind verleihe.

Networking beim ersten Kamingespräch des Campaign Boostcamps mit Kajo Wasserhövel
Networking beim ersten Kamingespräch des Campaign Boostcamps.

Boostcamps für Toleranz und Menschenwürde

Wasserhövels Rezept gegen den Vormarsch von Rechtspopulismus ist ein über alle Parteigrenzen vereinender Gedanke: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Gemeinsam mit anderen Kommunikationsprofis hat er dafür den Verein Artikel 1 – Initiative für Menschenwürde gegründet. Als Freund und Unterstützer des Campaign Boostcamps der ersten Stunde, hat sich Kajo Wasserhövel von unserem Konzept inspirieren lassen und veranstaltet gemeinsam mit uns eintägige Boostcamps in Gegenden abseits der Metropolen.

Neben der spannenden Diskussion, kam auch das Netzwerken nicht zu kurz. Dieser Abend war eine Premiere in einer neuen Reihe von Veranstaltungen, die das Campaign Boostcamp organisiert, um die Community von Campaigner*innen zusammenzubringen. Denn eins ist klar: die Herausforderungen unserer Zeit kann keine Organisation und keine Kampagne alleine lösen. Wir müssen als progressive Akteure der Zivilgesellschaft viel mehr miteinander zusammenarbeiten. Und das können wir nur machen, wenn wir uns besser kennen. Wenn ihr mehr davon hören wollt, tragt euch für unseren Newsletter ein.

One comment

Es können keine Kommentare mehr abgegeben werden.